Vom Hörsaal in die Geschäftsführung

Im ausführlichen Interview erzählt Felix Leimbach von prägenden Momenten während seines Studiums, seinem Weg in die Geschäftsführung und seiner Begeisterung für Innovation und Künstliche Intelligenz.

Felix Leimbach wollte vor allem eines: seine Leidenschaft fürs Programmieren zum Beruf machen. Mit dem dualen Studium an der DHBW Lörrach entschied er sich bewusst für einen Weg, der Theorie und Praxis von Anfang an verbindet – und genau das wurde zum entscheidenden Erfolgsfaktor seiner Karriere. Schon während des Studiums arbeitete er aktiv am Aufbau einer Software-Abteilung mit, übernahm früh Verantwortung und sammelte Erfahrungen, die weit über klassische Studieninhalte hinausgingen.

Aus dem dualen Studenten wurde zunächst ein Software-Entwickler, später Teamleiter und schließlich CEO eines Unternehmens mit elf Mitarbeitenden. Heute verantwortet Felix Leimbach Innovations- und KI-Themen innerhalb einer größeren Unternehmensgruppe und gestaltet technologische Entwicklungen aktiv mit. Rückblickend ist für ihn klar: Das duale Studium hat nicht nur den Einstieg ins Berufsleben erleichtert, sondern die Grundlage für seinen gesamten Karriereweg geschaffen.

Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie früh übernommene Verantwortung, Praxisnähe und persönliche Entwicklung zusammenwirken können. Oder anders gesagt: Duales Studium = Karriere mit Verantwortung von Anfang an.


Das ausführliche Interview:

Felix, warum hast du dich damals für ein duales Studium entschieden?
Ich wollte mein Hobby, das Programmieren, zum Beruf machen und ein Informatik-Studium schien dafür ideal.
Zuerst habe ich die Uni angeschaut, aber als ich dann über einen Schnuppertag der Schule die DHBW kennengelernt habe, war mir klar, dass ich dort studieren will.

Damals schien es sehr reizend direkt eigenes Geld zu verdienen und mir aus eigener Tasche eine kleine Wohnung leisten zu können.

Was waren deine Erwartungen – und wurden sie erfüllt?
Praxisnähe – wurde komplett erfüllt. Mein kleines Unternehmen baute gerade eine Software-Abteilung auf (zuvor nur Hardware) und ich war in nullkommanichts voll in der Software-Entwicklung.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Tag im Studium oder im Unternehmen?
Erster Tag in der Firma … ich kam in ein kleines Gebäude und musste Slalom zwischen lauter Paletten voll Drucker laufen. Da dachte ich kurz: „Uh, ob das eine gute Entscheidung war.“
Es stellte sich heraus, dass es eine tolle Chance war, die Transformation von einer Hardware- zu einer Software-Firma mitzugestalten.

Uni: Nein 😉

Welche Erfahrung im Studium hat dich am meisten geprägt?
Ich habe interessante Menschen kennengelernt, die ich als Jungspund als Vorbilder wahrgenommen habe – zum Beispiel der damalige Studiengangsleiter Herr Sikora, der neben der engagierten Studiengangsleitung eine Firma und unzählige Projekte hatte. Trotzdem war er immer für uns da und hat Mails oft morgens um 5:00 Uhr beantwortet.

Auch ist mir ein Dozent von Novartis im Sinn geblieben, der dort als globaler Software-Architekt ein enormes Wissen hatte, von dem ich als Hobby-Programmierer profitieren konnte.

Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: „Das bringt mich wirklich weiter“?
Als ich gemerkt habe: „Hey, hier kann ich richtig Karriere machen.“

Ungefähr zur Mitte des Studiums wurde mir klar, dass Printcom mich übernehmen würde und ich Aussichten auf die Teamleitung der Software-Entwicklungs-Teams haben dürfte.

Im Theorie-Teil gab es immer wieder kleinere AHA-Momente – wenn in den Vorlesungen etwas drankam, das ich direkt auf meine Arbeit anwenden konnte. Zum Beispiel Software Design Patterns, die Programmierer-Challenges elegant lösten, die ich vorher umständlich mit Spaghetti-Code gebaut hatte.

Andere Anekdote: Der Computer-Labor-Leiter damals hat uns circa 2006 LinkedIn und Xing gezeigt, wodurch wir uns schon ganz früh beruflich gut vernetzt haben – als das noch nicht Standard war.

Wie hat dir der Wechsel zwischen Theorie und Praxis geholfen?
Abwechslung! Ab und zu wieder ein anderer Rhythmus und ein anderes Umfeld – das war jedes Mal schön. Jede Phase hatte ihren eigenen Charakter: Arbeitsweg, Inhalte, Kollegen, mehr oder weniger Freizeit etc.

Wann hast du zum ersten Mal Verantwortung übernommen?
Im zweiten Semester bekam ich die Aufgabe, eine Scan-Software zu bauen, mit der Kunden via Tischscanner Dokumente einscannen, verschlagworten und ans Archiv übermitteln konnten.

Das war eine große Aufgabe und ich hatte das Ziel, dass die Software am Ende des Semesters bei einem Kunden läuft. Das war natürlich Druck, aber auch motivierend. Und es war großartig, am Ende Mitarbeitende beim Kunden Steueramt Zürich damit arbeiten zu sehen.

Bist du deinem dualen Partner treu geblieben – warum?
Es gibt natürlich viele Gründe, aber ein übergeordneter war, dass über die Jahre ein tolles Vertrauensverhältnis zwischen dem Gründer und mir entstanden ist.

Er hat mich gefördert und gefordert und ist über die Jahre zu meinem Freund geworden.

Auch gab es in dieser kleineren Firma mit zehn bis zwölf Mitarbeitenden stets die Möglichkeit, viel zu gestalten. Ich konnte anfangs in technischen Feldern viel mitgestalten, etwa Serverinfrastruktur oder Software-Entwicklungs-Technologien. Dadurch konnte ich stets lernen, viel ausprobieren, auf Schulungen gehen und mich weiterentwickeln.

Später bin ich dann auch mehr in Vertrieb, Finanzen und Führungsaufgaben hineingewachsen, was wiederum sehr interessant war.

Wie sah dein erster Job nach dem Studium aus?
Ich war Applikations-Entwickler, eigentlich wie während des Studiums, nur Vollzeit. Ein Jahr später wurde ich zum Teamleiter befördert und durfte ein Team von vier Personen erneuern und nach meinen Vorstellungen aufbauen.

Welche Karriereschritte waren entscheidend für deinen Aufstieg?
Der Schritt von einem primär technischen Aufgabengebiet hin zu Firmenentwicklung und Führungsverantwortung jenseits der Software-Entwicklung.

Das war anfangs wie ein „Auswärtsspiel“, hat aber ganz neue Möglichkeiten eröffnet und war schließlich die Grundlage dafür, die Nachfolge unseres Gründers und CEO anzutreten.

Gab es Herausforderungen oder Rückschläge?
Die Fülle und Breite an Aufgaben und Herausforderungen „auf dem Weg nach oben“ war manchmal überwältigend. Mir war bewusst, dass ich es einfacher hätte haben können, wenn ich in einer rein technischen Rolle geblieben wäre.

Wie hat es sich angefühlt, CEO zu werden?
Es war ein Gefühls-Cocktail aus Verantwortung, Freude, Macht und Freiheit.

Es ist schon ein großer Unterschied, ob man jemanden hat, der einem sagt, was zu tun ist und an den man sich bei Fragen und Problemen wenden kann. Als CEO hat man das nicht mehr und ist umgekehrt für viele genau diese Person.

Als CEO sind letztlich alle Probleme der Firma auch die eigenen und die alte Gewohnheit, mit Problemen zum Chef zu gehen, funktioniert plötzlich nicht mehr.

Was waren deine wichtigsten Aufgaben in dieser Rolle?
Der Erfolg der Firma. Das fängt natürlich bei den Finanzen an, da sie die Basis für Stabilität und Investitionen sind.

Dann ist natürlich die Auswahl und Pflege eines tollen Teams das Allerwichtigste. Hier habe ich die Partnerschaft mit der DHBW gepflegt, sodass wir regelmäßig Top-Programmier-Talente ausbilden konnten.

Welche Fähigkeiten waren dafür besonders entscheidend?
Mit allen Menschen, sei es in der Firma oder bei Lieferanten, Lösungs-Partnern und natürlich Kunden, gut zusammenarbeiten zu können.

Letztlich wird das Geschäft von Menschen gemacht und Beziehungen, Vertrauensverhältnisse und Verlässlichkeit sind extrem wichtig.

Du hast dich entschieden, eine neue Rolle mit Fokus auf KI zu übernehmen – was reizt dich daran?
Ich bin überzeugt, dass KI die Kraft hat, Software-Entwicklung komplett zu revolutionieren. Es wird dabei Verlierer geben, die untergehen, und Gewinner, die gestärkt aus dieser Disruption hervorgehen.

Das möchte ich mitgestalten.

Gleichzeitig ist es eine tolle Gelegenheit, wieder selbst eng mit Technologie und Innovation zu arbeiten und es fühlt sich auch ein Stück weit wie „back to the roots“ an.

Außerdem ist es spannend, in einer größeren Firma mit rund 200 Mitarbeitenden Erfahrungen zu sammeln. Wir hatten die Printcom zwischenzeitlich an die Berner Glaux Group verkauft und so kann ich die KI- und Produktentwicklungen für die gesamte Gruppe, inklusive Printcom, mitgestalten.

Welche Rolle spielt Innovation in deiner Karriere?
Ich hatte stets Freude daran, neue Technologien auszuprobieren und zu schauen, wie sie unseren Produkten und damit unseren Kunden und Anwendern nützen.

Es ging also immer um die praktische Anwendung und das Nutzbarmachen, nicht ums Forschen.

Wie wichtig ist es, sich ständig weiterzuentwickeln?
Natürlich ist das extrem wichtig, da es immer wieder Umbrüche gibt, in denen sich Jobs verändern.

Das war schon bei Fabrikarbeitern zur industriellen Revolution so und ist auch jetzt mit KI wieder so.

Meine persönliche Erfahrung ist: Mit Offenheit und einer gewissen Neugier für neue Technologien fühlt sich diese Disruption eher wie eine interessante Challenge und Chance an und gar nicht mehr bedrohlich. Je mehr man neue Technologien selbst nutzt, desto weniger bedrohlich wirken sie.

Welche Kompetenzen aus dem dualen Studium helfen dir heute noch konkret?
Analytisches Denken ist in allen Karrierestufen nützlich und wurde durch mehrere Fächer während des Studiums gefördert.

Das hilft bei komplexen Entscheidungen; sei es bei Technologiewahlen, Investitionsentscheidungen oder Planungen.

Auch „Nebenfächer“ wie BWL, die in der Informatik nur kurz behandelt wurden, haben es mir erleichtert, später in Buchhaltung und Jahresabschlüsse hineinzuwachsen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Was unterscheidet dual Studierende aus deiner Sicht von anderen Absolventen?
Die Praxisnähe ist einfach unschlagbar.

Und dass wir durch die Ausbildungsphase auch aktiv mit daran arbeiten können, die Studierenden zu fördern und in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten. Das ist stets ein Win-win und macht große Freude.

Hat dich das Studium auf Führungsverantwortung vorbereitet?
Es war ein guter Start, auf dem ich aufbauen konnte – beispielsweise auch durch den berufsbegleitenden MSc (Master of Science) später an der Open University in England.

Welchen Rat gibst du heutigen Studierenden mit auf den Weg?
Nichts ist unmöglich. Bringt euch ein, denkt mit, findet Aufgaben, die ihr gerne und vor allem gut macht.

Damit seid ihr auch in sich stark verändernden Zeiten und Arbeitswelten stets gefragt.

Würdest du dich wieder für ein duales Studium entscheiden – und warum?
Ja, ich bereue nichts und würde denselben Weg wieder gehen.

Das Studium an der DHBW war dafür genau richtig. Der Firmenbezug war Gold wert und die Abwechslung zwischen Praxis und Theorie toll.

 

Für die DHBW Lörrach ist Felix’ Karriereweg ein starkes Beispiel dafür, wie das duale Studium Talente fördert und gezielt auf verantwortungsvolle Positionen vorbereitet.

Felix Duales Studium = Karriere mit Verantwortung von Anfang an