Krankenhäuser im Wandel: Wie Führung und Kultur Transformation ermöglichen

Bei der Veranstaltung „Let’s Talk Health“ an der DHBW Lörrach diskutierten zwei erfahrene Klinikmanager vor rund 100 Gästen über zentrale Erfolgsfaktoren für Transformationsprozesse im Krankenhaus. Im Fokus standen insbesondere die Bedeutung von Führung, Organisationskultur sowie der Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft im Strukturwandel des Gesundheitswesens.

Krankenhäuser im Wandel: Führung und Kultur entscheiden über den Erfolg der Transformation

Wie können Krankenhäuser den tiefgreifenden Strukturwandel im Gesundheitswesen erfolgreich bewältigen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Let’s Talk Health“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Lörrach. Vor rund 100 Gästen diskutierten zwei erfahrene Klinikmanager über zentrale Erfolgsfaktoren für Transformationsprozesse im Krankenhaus: Udo Lavendel, Vorsitzender Geschäftsführer des Dreiland-Klinikums, und Maximilian Ebrecht, Geschäftsführer der Artemed Kliniken Freiburg.

Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Joachim Wölle und Prof. Dr. Johannes Schoder, Studiengangsleiter im Studiengang BWL-Gesundheitsmanagement der DHBW Lörrach, organisiert und fand in Kooperation mit der Initiative Zukunft.Raum.Schwarzwald statt. Ziel des Formats „Let’s Talk Health“ ist es, aktuelle Herausforderungen im Gesundheitswesen gemeinsam mit Führungskräften aus Praxis, Wirtschaft und Wissenschaft zu diskutieren.

Transformation braucht mehr als Strategie

In seinem Impulsvortrag betonte Udo Lavendel, dass erfolgreiche Veränderungsprozesse in Krankenhäusern weit über organisatorische oder strukturelle Anpassungen hinausgehen. „Transformation gelingt nur, wenn Menschen und Organisation gemeinsam in den Blick genommen werden“, sagte Lavendel. Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen brauche es Orientierung, Vertrauen und eine klare Kommunikation.

Lavendel verantwortet derzeit den Transformationsprozess des entstehenden Dreiland-Klinikums im Landkreis Lörrach. Dort werden mehrere bestehende Klinikstandorte künftig auf einem gemeinsamen Gesundheitscampus zusammengeführt. Neben moderner medizinischer Infrastruktur sollen insbesondere Digitalisierung, neue Versorgungsstrukturen und effiziente Prozesse die Grundlage für eine zukunftsfähige Krankenhausversorgung bilden.

Zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Transformation sei dabei eine tragfähige Organisationskultur. „Selbst die beste Strategie funktioniert nur, wenn sie von einer Kultur des Vertrauens getragen wird“, so Lavendel. Führung bedeute deshalb auch, Mitarbeitende aktiv in Veränderungsprozesse einzubinden und ihnen Sicherheit zu geben.

Qualität und Wirtschaftlichkeit gemeinsam denken

Maximilian Ebrecht schilderte in seinem Vortrag die Transformation der Freiburger Krankenhäuser St. Josefskrankenhaus und Loretto-Krankenhaus nach deren Übernahme durch die private Klinikgruppe Artemed. Der Wechsel vom kirchlichen zum privaten Träger habe tiefgreifende Veränderungen in Organisation und Steuerung mit sich gebracht.

Ebrecht betonte, dass wirtschaftliche Stabilität und medizinische Qualität keine Gegensätze seien. „Hohe Qualität verbessert nicht nur die Behandlungsergebnisse, sondern reduziert auch Komplikationen, verkürzt Liegezeiten und entlastet Mitarbeitende“, erklärte er. Effiziente Prozesse und ein konsequentes Qualitätsmanagement seien daher zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung von Krankenhäusern.

Zugleich warnte er davor, in Transformationsphasen zu stark an bestehenden Strukturen festzuhalten. Erfolgreiche Veränderung erfordere klare Ziele, transparente Kommunikation und eine konsequente Umsetzung.

Benchmarking und Vernetzung als Erfolgsfaktoren

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass kommunale und private Krankenhausträger trotz unterschiedlicher Organisationsstrukturen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Dazu zählen wirtschaftlicher Druck, steigende Qualitätsanforderungen sowie der Umgang mit knappen personellen Ressourcen.

Beide Referenten betonten die Bedeutung von Benchmarking und Vernetzung. Während das Dreiland-Klinikum von strukturierten Vergleichsdaten im CLINOTEL-Krankenhausverbund profitiert, nutzt die Artemed-Gruppe den Austausch zwischen ihren bundesweiten Standorten, um Prozesse kontinuierlich zu verbessern und voneinander zu lernen.

Abschließend fasste Prof. Dr. Joachim Wölle die zentralen Faktoren für erfolgreiche Führung in Transformationsprozessen zusammen: eine klare strategische Orientierung, eine Kultur des Vertrauens und Führungskräfte, die Veränderungen aktiv begleiten, transparent kommunizieren und vor allem präsent sind. Mitarbeitende müssen Veränderungsprozesse nachvollziehen können und sich als Teil der Entwicklung verstehen. Transformation ist damit weniger ein rein organisatorisches Projekt als vielmehr ein langfristiger Kulturprozess.

Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft

Für die Teilnehmenden bot die Veranstaltung einen praxisnahen Einblick in aktuelle Transformationsprozesse im Krankenhaussektor. Zugleich zeigte sich, wie wichtig der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens ist.